Helmut Barthel
Stark für Brandenburg.

Fachkräfte gesucht! Helmut Barthel und Bildungsministerin Britta Ernst diskutieren über praxisnahes Lernen

Zur Zeit gibt es über 1.000 freie Lehrstellen in der Region Westbrandenburg. In den nächsten Jahren werden immer weniger Schulabgänger die Schule verlassen. Vor diesem Hintergrund ist eine frühzeitige Kooperation von Schule und Wirtschaft als Schnittstelle für eine nachhaltige Fachkräfte-Strategie immens wichtig.

Insbesondere im Berliner Umland, in dem sich viele innovative Unternehmen angesiedelt haben, müssen gut organisierte Netzwerke unterstützt werden, die eine frühzeitige Berufs- und Studienorientierung organisieren. Ein möglichst früher Praxisbezug bei den zukünftigen Arbeitskräften kann so dazu beitragen Fachkräfte in der Region zu halten und die Chancen für Berufseinsteiger in der Region erfahrbar machen.

Am 23. November wurde auf einer Informationsveranstaltung der Friedrich-Ebert-Stiftung in Ludwigsfelde die Frage diskutiert, welche Möglichkeiten es gibt Schülerinnen und Schüler für die verschiedenen Berufsfelder zu begeistern, die ihren persönlichen und den regionalen wirtschaftlichen Interessen nutzen. Die Veranstaltung kam auf Initiative von Helmut Barthel, Mitglied des Landtags Brandenburg und Vorsitzender des Ausschusses für Wirtschaft des Landkreises Teltow-Fläming statt. An der Diskussion mit den zahlreich erschienen Gästen nahm Britta Ernst, Ministerin für Bildung, Jugend und Sport des Landes Brandenburg, Andreas Igel, Bürgermeister der Stadt Ludwigsfelde, Gudrun Heilmann, Koordinatorin für Schule/Wirtschaft der IHK Potsdam, Brita Krüger für die Kreishandwerkerschaft Teltow-Fläming sowie Volker Große, Direktor der Gottlieb-Daimler-Schule in Ludwigsfelde teil.

In der Diskussion wurde deutlich, dass es viele Entwicklungen gibt, die zusammengeführt werden müssen, obwohl sie sich teilweise entgegen stehen. So entstehen in den Industriegebieten der Stadt Ludwigsfelde und dem Güterverkehrszentrum (GVZ) Großbeeren weiterhin neue Arbeitsplätze, während gleichzeitig die Zahl der Schulabgänger weiter sinkt. Der Anteil der Abiturienten ist in den vergangenen Jahren stets gestiegen. Zum Einen verlassen dadurch junge Leute die Region, um ein Studium in anderen Bundesländern aufzunehmen, zum Anderen erhöht sich der Druck auf Bewerber um Ausbildungsplätze mit mittleren Schulabschlüssen. Daneben besteht weiterhin ein starker Wettbewerb um Auszubildende zwischen großen, mittleren und kleinen Unternehmen aber auch zwischen den einzelnen Branchen, der sich in sehr unterschiedlicher Ausbildungsvergütung und zukünftigen Verdienstmöglichkeiten wieder spiegelt.
Um sich für einen Beruf zu entscheiden ist es notwendig Kenntnis über verschiedene Berufsbilder zu haben. Dies ist in der Breite und Tiefe bei den meisten Jugendlichen nur bedingt und unzureichend der Fall, befand eine Mehrzahl der Diskutanten. "Das ist auch der mangelnden Anerkennung und öffentlichen Präsenz von gewerklichen Berufen geschuldet, insbesondere in den sozialen Medien. Dort werden vornehmlich die 'exotischen' Berufsbilder vermittelt" so Helmut Barthel.

Für die Berufsorientierung und Vermittlung von Auszubildenden und Ausbildungsstellen gibt es mittlerweile eine breite Palette an Angeboten, seitens der Industrie und Handelskammern, der Wirtschaftsförderung und nicht zuletzt durch das Engagement der Schulen. Die Bereitschaft der Unternehmen mit den Schulen zusammen zu arbeiten, um eine frühzeitige praxisnahe Berufsorientierung anzubieten ist in den letzten Jahren stetig gestiegen, muss aber weiter ausgebaut werden. Der Austausch von Erfahrungen aus erfolgreichen Projekten, wie dem Alumni des Gymnasiums in Ludwigsfelde, bei dem ehemalige Absolventen den heutigen Schülern ihr Berufsbild näher bringen, ist dafür ein wichtiger Schritt.

Für die längere Zukunft wird Berufsorientierung nicht nur ein Thema für Schulabsolventen sein, sondern das Arbeitsleben vieler Menschen begleiten. Durch sich weiter verändernde Berufe, die Digitalisierung und weniger "Lebensarbeitsverhältnisse" steigt die Notwendigkeit im Zuge des lebenslangen Lernens gute Angebote zur Berufsorientierung zu entwickeln.